Talentförderung im Fach Kunst
im Bereich Braunschweig

Ein zentrales Reformprogramm des Niedersächsischen Kultusministeriums ist die Förderung von hochbegabten Kindern und Jugendlichen. Für das Fach Kunst wurde im Jahr 2007 von der Kunstpädagogin Frau Regine von Monkiewitsch eine Fördermaßnahme initiiert. Seitdem treffen sich einmal im Monat an einem Samstag (in der Raabeschule) Schülerinnen und Schüler, die im Fach Kunst über das schulische Niveau hinausgehende Begabungen und besondere Interessen zeigen. Zurzeit beschränkt sich das Angebot noch auf die Braunschweiger Gymnasien, soll aber im weiteren Verlauf auch auf die Gymnasien im Umland ausgeweitet werden.

 

Organisation

Kunsterzieher und Kunsterzieherinnen der Braunschweiger Gymnasien und Gesamtschulen empfahlen besonders talentierte Schülerinnen und Schüler, die an der ersten Runde der Talentförderung teilnahmen. Es wurde ein Förderkurs eingerichtet, der sonnabends in sechsstündigen Arbeitstreffen von vier Lehrkräften gemeinsam geleitet wird: Michael Ewen, Gaußschule Braunschweig, Rainer Jaeger, Wilhelm-Gymnasium Braunschweig, Jürgen Kuck, Gymnasium Raabeschule und Fachleiter am Studienseminar sowie Regine v. Monkiewitsch, ebenfalls vom Gymnasium Raabeschule.

So ist es den Teilnehmern möglich, konzentriert und prozessorientiert künstlerisch-praktisch zu arbeiten. Alle Lehrkräfte stehen mit ihrem speziellen Fachprofil beratend zur Verfügung. Im Plenum stellen die Schüler und Schülerinnen sich gegenseitig ihre Arbeiten vor und diskutieren darüber. Nach einer Zeit von einem Jahr, in der sich die jungen Leute kennen gelernt und z. T. befreundet haben, lässt sich ein äußerst verantwortungsvolles und konstruktives Umgehen mit den gegenseitigen Arbeiten feststellen.

 

Themenfindung

Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten offen formulierte Themen, die sowohl gegenständliche als auch abstrakte Bildfindungen ermöglichen (Beispiel: Innenwelten - Außenwelten, Verwicklung - Verknüpfung - Verstrickung etc.), die ihnen Realisierung eigenständiger Ideen ermöglichen. Fragen und Probleme der figürlichen Darstellung wurden durch das Aktstudium vor dem Modell bearbeitet. Das Lösungsspektrum bewegt sich im technischen Bereich zwischen Zeichnung, Malerei, Collage, Fotografie und Film. Plastik, Skulptur und Installation werden zunehmend thematisiert.

 

Kontakt zur Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK)

Die zunächst geplante Vernetzung des Förderprogramms mit den Möglichkeiten und Angeboten der Kunsthochschule stellte sich als nicht einfach dar.

Der Entscheidungs- oder vielleicht auch Meinungsbildungsprozess zu der Idee der Talentförderung im Jugendalter traf auf divergierende Positionen innerhalb der Kollegenschaft der Hochschullehrer. Da nicht klar ist, wer sich kompetent im künstlerischen Bereich mit dieser Altersgruppe befassen könnte, es also bisher keine Stelle und kein Konzept für diese sehr spezielle Förderung von künstlerisch-bildnerischer Begabung an der HBK gibt, erscheint die teilweise Integration in den Hochschulbetrieb als Belastung, sowohl im Lehrbetrieb als auch bezüglich der räumlichen Möglichkeiten an der HBK.

Jedoch signalisierte die Präsidentin, Frau Straka, immer wieder Kommunikationsbereitschaft in dieser Sache. Geplant sind Werkstattkurse und künstlerische Workshops, z. B. in der Druckwerkstatt, mit Neuen Medien, Kunstgeschichte und –wissenschaft (propädeutische Seminare), Einbindung in Kunstvermittlungsprojekte und anderes. Diese Projektkurse, die möglicherweise an Wochenenden, in den HBK-Semesterferien oder zu Beginn oder Ende der Schulferien stattfinden, könnten an verschiedenen Orten, der HBK, aber auch an der Bundesakademie Wolfenbüttel eingerichtet werden. Nach dieser Übergangsphase soll an der HBK langfristig die Möglichkeit eines Frühstudiums eingerichtet werden, für das noch eine solide Struktur entwickelt werden muss.

Schon jetzt war der Besuch der Ausstellung „Leibesübungen“ in den Räumen der HBK realisierbar, der allerdings vom Fachbereich „Kunstvermittlung" in eigenem Ausbildungsinteresse für den 15.02.07 geplant worden war, den Interessen des Förderkurses aber entgegen kam. Ergänzt wurden die intensiven Arbeitsphasen in den Kunsträumen der Raabeschule durch einen gemeinsamen Besuch der HBK anlässlich des „Rundganges“ am Tag der offenen Tür und durch einen Gang durch verschiedene Künstlerateliers am „Tag des offenen Ateliers“ in Braunschweig.

 

Kommentar

„Wir bedauern außerordentlich die Kürzungen des Kunstunterrichtes in den Schulen, besonders den Wegfall der Leistungskurse, die Reduzierung der Stundentafel und die Aufstockung der Schülerfrequenzen in den Lerngruppen. Wir haben Verständnis für den Unmut der engagierten Fachkollegen und -kolleginnen.

Eine Spitzenförderung darf nicht im Widerspruch zu einer Breitenförderung stehen! Wir halten es aber für sinnvoll, Möglichkeiten zu erarbeiten, die Perspektiven für unsere besonders talentierten Schüler und deren Zukunft für ein Studium zu entwickeln.“

Michael Ewen, StR Gaußschule Braunschweig
Rainer Jaeger, OstR Wilhelmgymnasium Braunschweig
Jürgen Kuck, StDir. Fachleiter am Studienseminar, Gymnasium Raabeschule, Braunschweig
Regine v. Monkiewitsch, OStR’, Gymnasium Raabeschule

 

Dieser Artikel entstand auf der Grundlage des „Berichts zum Verlauf der Arbeit Talentförderung im Bereich Braunschweig“ vom 10.02.2008, der von den o. g. vier Lehrkräften verfasst wurde, sowie nach einem Gesprächsprotokoll vom 17.11.2007 und nach einer schriftlichen Mitteilung der Fachberaterin für das Fach Kunst, Hanna Märgner-Beu. Fotos: M. Ewen.

U. Kuttig

 

Zweiter Bericht (November 2008)
Fach Kunst

 

 

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