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2009
Schulnachrichten
von Herrn Thamm van Balen
Verehrte Gäste,
lieber Herr Dr. Gatz,
lieber Herr Gruner,
liebe Vertreter der Eltern- und der Schülerschaft,
liebe ehemalige und amtierende Kolleginnen und Kollegen,
insbesondere aber:
liebe Frau Dauter,
lieber Herr Dauter,
verehrte Frau Schefler,
lieber Herr Schefler!
In der Schule wie im Leben gibt es Augenblicke, in denen sich Außerordentliches ereignet.
Zu diesen Augenblicken gehört - der Abschied.
Zu einem bestimmten Zeitpunkt ändern sich die Verhältnisse von Grund auf und nach Jahrzehnten ununterbrochener Unterrichts- und Erziehungsarbeit ist man plötzlich kein Lehrer mehr.
Schülerschaft und Schule ziehen weiter, und selbst geht man nun eigene Wege.
Endgültige Abschiede sind der Anlass insbesondere zu Worten des Dankes.
Das landläufige Urteil, nirgends werde mehr gelogen als bei Verabschiedungen in den
Ruhestand,teile ich überhaupt nicht.
Stattdessen behaupte ich: Bei diesen Verabschiedungen wird endlich die Wahrheit gesagt!
Was in der Eile des Alltags unausgesprochen blieb, was an Dankesworten Jahr um Jahr aufgeschoben wurde, erhält ganz zum Schluss plötzlich Raum und Stimme.
Liebe Frau Dauter, lieber Herr Schefler,
nehmen Sie unsere Dankesworte also bitte für bare Münze, mehr noch, nehmen Sie sie als geringes Anzeichen unserer Anerkennung, unserer Dankbarkeit und unserer guten Wünsche für die Zukunft!
Als in der Bundesrepublik allenthalben der Ruf erscholl „Trau keinem über 30“, traten Sie, liebe Frau Dauter, ins Kollegium des Wilhelm-Gymnasiums ein - und waren dabei erst 26!
In Neustadt/Holstein geboren, durchliefen Sie das Gymnasium Stade, die Werkkunstschule Hannover, die HBK Braunschweig und die Mathematische Fakultät der TU Braunschweig
in forciertem Tempo und legten Ihr Erstes Staatsexamen im Juni 1968 ab.
Nach dem eineinhalbjährigem Referendariat waren Sie ab dem 1. Februar 1970 Studienassessorin am Wilhelm-Gymnasium und Fachlehrerin für Kunsterziehung, Werken und Mathematik.
Für die Ernennung zur Studienrätin auf Lebenszeit war in den 70er Jahren die Zustimmung des Schulträgers (d.h. die Zustimmung des Schulausschusses des Rates der Stadt Braunschweig) erforderlich. Der Wechsel aus dem Status der Studienassessorin in den Rang einer Studienrätin und Landesbeamtin auf Lebenszeit galt als Beförderung. Am 24. Januar 1973 wurde ihnen die entsprechende Urkunde überreicht.
Es folgten bewegte und arbeitsreiche Jahre: Sammlungsleiterin Werken (bereits ab 1970), Planung und Durchführung des Sommerfests der Unter- und Mittelstufe (im Ölper Waldhaus), Betreuung der Musischen Woche, Betreuung der Kunst- und Werkausstellungen.
Ab März 1973 übernahmen Sie außerdem sog. „Mehrarbeit im Schuldienst“ - für viele Jahre. Sie setzten sich mit den neuen Konzepten der soeben erfundenen „Orientierungsstufe“ auseinander (dies z. B. durch Besuch von NLI-Fortbildungsveranstaltungen) und übernahmen Unterrichtstätigkeit an der Orientierungsstufe Leonhardstraße und an der Orientierungsstufe Sickte.
Außerdem wurden Sie Obfrau für Verkehrserziehung, die damals den Status eines eigenständigen Faches hatte. 1983 wurde Ihnen eine A14-Stelle übertragen.
Anlässlich der anstehenden Beamtung auf Lebenszeit schrieb seinerzeit der damalige Schulleiter Herr Dr. Mack: „Sie ist eine Lehrerin mit viel Einfühlungsvermögen in Wesensart und Vorstellungswelt junger Menschen. (…) Von ihr geht eine Ausstrahlung aus, die der Jugend und der Schule zugute kommt. Sie erwächst aus ihrem Geschick, Menschen richtig aufzunehmen und innerlich anzusprechen.“ - Diese Beschreibung wird zu Beginn Ihrer Laufbahn zugetroffen haben, sie hat darüber hinaus Gültigkeit bis zum heutigen Tag! Rechnet man die Referendarsjahre hinzu, ergeben sich mehr als 40 Jahre entwicklungsfördernden Unterrichts und ermutigender Zuwendung.
Und mehr noch: Ihre Arbeit haben Sie immer auch für die Erwachsenen geöffnet. Immer wieder haben Sie Gemeinschaftsunternehmungen von Schülern, Lehrern und Eltern angeregt und durchgeführt, die ein besonderes Gepräge hatten: Sie waren von der Überzeugung getragen, dass jeder Mensch mit schöpferischen Kräften begabt ist, denen er trauen sollte.
In dieser Überzeugung arbeiteten Sie an Unterrichtsprojekten, Musischen Wochen, Sommerfesten und Schulbällen - bei denen man nicht nur ästhetische Fähigkeiten, sondern ebenso organisatorische und soziale Fähigkeiten, heute würde man vielleicht sagen: Managementkompetenzen, entfalten konnte. „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ - Noch während des Aufräumens am Tag nach dem wiederum bewegenden Schulball überlegten die jungen Leute, was man im nächsten Jahr auf die Bühne und in den Saal bringen sollte. Wenn Schülerinnen und Schüler in dieser Weise auf Sie als Lehrerin reagieren, haben Sie alles erreicht!
Liebe Frau Dauter,
jahrzehntelang haben Sie unseren Schülerinnen und Schülern gutgetan; Sie haben ihnen beigebracht, was man mit der eigenen Kreativität anfangen kann; Sie haben ihnen Erfahrungen ermöglicht, aus denen Selbstsicherheit und Unternehmungsgeist erwuchsen.
Dafür herzlichen Dank!
Nun wünsche ich Ihnen Freude an der Zeit ohne schulische Pflichten, nicht nachlassende Gesundheit und die Gewissheit, vielen Schülerinnen und Schülern und vielen Kolleginnen und Kollegen wichtig gewesen zu sein.
Thamm van Balen, OStD
30. Januar 2009