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Abschiedsrede für Herrn Schefler

von Herrn Thamm van Balen

Verehrte Gäste,
lieber Herr Dr. Gatz,
lieber Herr Gruner,
liebe Vertreter der Eltern- und der Schülerschaft,
liebe ehemalige und amtierende Kolleginnen und Kollegen,

insbesondere aber:

liebe Frau Dauter,
lieber Herr Dauter,

verehrte Frau Schefler,
lieber Herr Schefler!

In der Schule wie im Leben gibt es Augenblicke, in denen sich Außerordentliches ereignet.
Zu diesen Augenblicken gehört - der Abschied.
Zu einem bestimmten Zeitpunkt ändern sich die Verhältnisse von Grund auf und nach Jahrzehnten ununterbrochener Unterrichts- und Erziehungsarbeit ist man plötzlich kein Lehrer mehr.
Schülerschaft und Schule ziehen weiter, und selbst geht man nun eigene Wege.

Endgültige Abschiede sind der Anlass insbesondere zu Worten des Dankes.
Das landläufige Urteil, nirgends werde mehr gelogen als bei Verabschiedungen in den Ruhestand,teile ich überhaupt nicht.
Stattdessen behaupte ich: Bei diesen Verabschiedungen wird endlich die Wahrheit gesagt!
Was in der Eile des Alltags unausgesprochen blieb, was an Dankesworten Jahr um Jahr aufgeschoben wurde, erhält ganz zum Schluss plötzlich Raum und Stimme.

Liebe Frau Dauter, lieber Herr Schefler,
nehmen Sie unsere Dankesworte also bitte für bare Münze, mehr noch, nehmen Sie sie als geringes Anzeichen unserer Anerkennung, unserer Dankbarkeit und unserer guten Wünsche für die Zukunft!

 

Lieber Herr Schefler!

Mehr als 25 Jahre lang waren Sie an unserer Schule Garant für Kompetenz, Disziplin und die Sorge um das Gemeinwohl.

Zunächst hatten Sie den Beruf des Chemotechnikers ergriffen. Bei der Volkswagen AG waren Sie zuständig für den Einkauf und die Verwaltung der Chemikalien und der Laborgeräte. Ihre Entscheidung, sich beruflich weiterzuentwickeln, führte Sie in das Studienseminar Braunschweig und, nach Ablegung der Zweiten Staatsprüfung, an das Wilhelm-Gymnasium.
Am 9. Febr. 1982 nahmen Sie die Unterrichtstätigkeit an unserer Schule auf - als Fachlehrer für Chemie und Physik. Zunächst arbeiteten Sie als sog. BAT-Lehrer im Angestellten-Verhältnis, dann als Studienrat und Beamter auf Probe bzw. als Beamter auf Lebenszeit und schließlich als Oberstudienrat.

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Ihre besondere Kompetenz wurde am WG rasch erkannt: Kaum hatten Sie sich in der Schule umgesehen, waren Sie auch schon Sammlungsleiter für Chemie. Diese stetig wachsende Sammlung mit ihrem besonderen Betreuungsbedarf haben Sie bis auf den heutigen Tag geleitet. Dabei haben Sie mit Erfolg dafür gesorgt, dass trotz knapper städtischer Kassen anspruchsvoller und schülerorientierter Unterricht im Fach Chemie möglich war. Auf diese Weise kam Ihre Berufserfahrung aus der Großindustrie der Fachgruppe zugute.
Mit ganzem Einsatz haben Sie auch an der grundlegenden Erneuerung der Chemieräume mitgewirkt und - gemeinsam mit den Kollegen - dafür gesorgt, dass zukunftsweisende Unterrichtsräume entstanden. Dies gegen den Widerstand bestimmter städtischer Planer durchzusetzen war wohl nicht leicht.
Dass Sie je über die Belastung durch die besonders zeitaufwändige Chemiesammlung geklagt hätten, ist nicht bekannt. Bekannt hingegen sind die Urteile kompetenter Kollegen, die hervorheben, die Chemieräume und die Chemiesammlung des Wilhelm-Gymnasiums seien jederzeit in vorbildlichem Zustand. Einer der Fachdidaktiker sagte mir vor kurzem, er kenne kein Gymnasium in Braunschweig, das für Referendarinnen und Referendare des Faches Chemie bessere Arbeitsmöglichkeiten biete als das Wilhelm-Gymnasium.

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Die Disziplin, die ich in Ihrer Arbeit immer gesehen habe, war geprägt von Ordnung, Verlässlichkeit, Konsequenz. Diese Qualitäten haben Sie stets von sich selbst gefordert. Damit waren Sie Generationen von Schülerinnen und Schülern Vorbild. An Ihnen konnten sie ablesen, was es heißt, ernsthaft zu arbeiten, systematisch zu arbeiten, ausdauernd zu arbeiten. An Ihnen konnten sie erleben, wie wohltuend es für alle Beteiligten ist, wenn man nicht nur anspruchsvolle Grundsätze hat, sondern sie auch befolgt.
Über die Jahre hin hatten Sie stets eine klare Auffassung davon, was jeweils wessen Aufgabe ist.
Von sich und von anderen haben Sie konsequent gefordert, was zu den Pflichten gehörte.
Wenn die Regeln eines geordneten Miteinanders nicht mehr eingehalten wurden, haben Sie klar Position bezogen. Den Schülerinnen und Schülern, aber auch der Schule insgesamt hat dies sehr geholfen!
Ihre Arbeit und Ihr kollegiales Engagement waren getragen vom Vertrauen in ein sinnvolles Zusammenspiel der Kräfte. Man muss hier gar nicht den oft angeführten Begriff der Teamarbeit bemühen, um zu verdeutlichen, dass Ihnen ganz selbstverständlich war, Ihren Teil zum Gelingen der Schule beizutragen und dabei vorauszusetzen, dass jeder andere Kollege ebenso ambitioniert, sozial und loyal bei der Sache war.

Zusätzlichen Aufgaben in der Schule haben Sie sich nie verweigert; ich erinnere an die Übernahme des Amtes des Strahlenschutzbeauftragten (seit 1985); ich erinnere an die Teilabordnungen an die „OS Leo“ und die Gaußschule; ich erinnere an die Übernahme von Koordinatoren-Aufgaben während der Vakanz einer Koordinatorenstelle hier am WG.

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Wie selbstverständlich haben Sie sich mit unserer Schule identifiziert. Sie hatten ein sicheres Gespür dafür, was der Schule dient und was nicht. Zum Wohle der Gemeinschaft stellten Sie sich 25 Jahre lang als Vertrauensmann des Philologenverbands (seit 1985) zur Verfügung; in überregionalen Gremien haben Sie sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte und der Lernbedingungen der Schülerschaft eingesetzt. Wenn auch die Verbände eher indirekt einwirken können, sind sie doch ein erheblicher bildungspolitischer Faktor, den kein Kultusminister ignorieren kann. Voraussetzung dieser Wirksamkeit sind jedoch Personen wie Sie, die sich uneigennützig, entschieden und beharrlich für eine vernünftige Bildungspolitik einsetzen. Fast ebenso lange waren Sie Mitglied des Schulpersonalrats, zuletzt als Personalratsvorsitzender. In dieser Zeit haben wir viele Anliegen erörtert, Möglichkeiten ausgelotet und nach Lösungen im Konsens gesucht. Auf Ihre kritische Sicht der Dinge konnte ich mich verlassen.
Dies hat mir bei Entscheidungen sehr geholfen.

Seit 1989 gehörten Sie zu den zentral Verantwortlichen des WG-Schulballs, einem „verwegenen“ Kreis von Kolleginnen und Kollegen, die sich von dem Arbeitsaufwand eines schulischen Großereignisses nicht schrecken ließen und denen die Ideen niemals ausgingen. Für die Kärrner-arbeit der Schulball-Organisation waren Sie sich nie zu schade, die Verantwortung „hinter den Kulissen“ war Ihnen recht, so wurden Sie zum Garanten einer praxisnahen Planung und einer umsichtigen Durchführung dieses stets unabsehbaren Abenteuers. - In den Ski-Langlauf-Wochen im Harz waren Sie ein ebenso ambitionierter wie krisenfester Betreuer. - Im Sommer sah man Sie als Vormann einer munteren Schar von Kanuten auf der Oker.

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Mit ganzer Kraft haben Sie sich für unsere Schülerinnen und Schüler eingesetzt,
mit ganzer Kraft haben Sie über viele Jahre die Schule mitgetragen und mitentwickelt.
Dafür sind wir Ihnen sehr dankbar.

Nun bleibt mir,
Ihnen zu wünschen,
dass Sie sich an den neuen Möglichkeiten des Ruhestands freuen,
dass Sie gesund bleiben und aktiv sein können
und dass Sie die Schule nicht allzu sehr vermissen.

 

Thamm van Balen, OStD
30. Januar 2009

 

 

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