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02.10.2010

„Wir sagen Danke“

Meine Damen und Herren,
liebe Schülerinnen und Schüler,

die Zeit des Planens ist zu Ende, die Vorbereitungen sind abgeschlossen, die Feierstunde hier in unserer Schule: sie kann beginnen.
Und doch gerät manchmal alles durcheinander und es wird schwierig, den nächsten Schritt zu tun: Gestern um diese Zeit hatten wir die Herrichtung der Aula zunächst einmal abgebrochen.
Schüler, Lehrer und Eltern hatten sich hier versammelt, weil unsere angehende Abiturientin Verena Schwarz am Donnerstagabend tödlich verunglückt ist. Mit ihrem Motorrad war sie über Land gefahren, in einer Kurve brach die Maschine aus und prallte gegen die Stahlrohre von Straßenschildern.
Wenn wir uns heute hier in der Aula versammeln, anlässlich unseres Schuljubiläums, nehmen wir Verena Schwarz hinein in unsere Mitte.
Unsere Schulgemeinschaft hofft darauf, gute und fröhliche Zeiten miteinander zu erleben.
Aber auch die schlimmen Seiten des Lebens trägt sie.

Zur ersten Jubiläumseinladung am 8. Januar dieses Jahres mussten sich die Gäste des Wilhelm-Gymnasiums den Weg durch hohen Schnee bahnen, um in die Aula zu gelangen. Seither hat das Jubiläumsjahr seinen Lauf genommen, 15 Veranstaltungen haben stattgefunden: Arbeitstagung, Themenabend und internationale Begegnung, Theater, Lesung, Textproduktion und literarisch-kulinarische Revue, Sprachenreise, Schulwanderung und Sommerfest, Sportfest, Schulball und Jubiläumskonzert. Es gab fruchtbare Diskurse, kunstvolle Aufführungen und fröhliche Feste.
Eins aber fehlt noch fehlt: Es fehlt ein Wort des Dankes, an die Menschen gerichtet, die uns in unserer Arbeit unterstützen. Wir wollen denjenigen danken, die sich über Jahre hin mit unserer Schule verbunden haben und auf diese Weise unseren Schülerinnen und Schülern dienen.

Gestatten Sie uns also, Ihnen heute ein Wort des Dankes zu sagen – und nicht nur Worte sollen es ein, sondern auch Taten: Aus dem Jubiläumsstück der Theater-AG mit dem Titel „Zeitenwandel“, in dem die gesamte Schul- und Zeitgeschichte – von 1885 bis zur Gegenwart – in 23 Bildern auf die Bühne gebracht wurde, sehen wir einige Ausschnitte; außerdem wird Musik erklingen; und am Ende, wenn Sie die Schule verlassen, geben Ihnen Schülerinnen und Schüler verschiedener AGs ein Andenken mit auf den Weg.

Zu dieser Stunde des Dankes darf ich Sie und Euch nun sehr herzlich begrüßen.

Ich begrüße insbesondere
Frau Bürgermeisterin Harlfinger,
Frau Leitende Regierungsschuldirektorin Ristau,
die Mitglieder des Rates der Stadt Braunschweig,
die Mitglieder des Schulausschusses und des Bauausschusses,
Herrn Leitenden Städtischen Direktor Thomas Schebesta,
Herrn Landeskirchenrat Cornelius Hahn,
Herrn Dr. Hans Krauss, Leiter der Städt. Musikschule,
Herrn Dr. Christian Barrmeyer, Mitglied des Vorstands der Eckensberger-Stiftung,
Frau Sabine Campe, Vorsitzende des Schulelternrats,
Herrn RA Jürgen Wabbel, Vorsitzender des WG-Fördervereins,
Herrn RA und Notar Fr. H. Lehmann, Vorsitzender des Ehemaligenvereins
sowie unseren Schülersprecher Hendrik Poschmann, Mitglied des SV-Teams.

Zu den großen Ereignissen des Schuljahrs gehört der Schulball des Wilhelm-Gymnasiums, der die Stadthalle füllt. 25 Schulbälle hat das WG veranstaltet – einer schöner als der andere – und am Ende eines jeden Balls dann: auf der Bühne das Finale aller Mitwirkenden, das Finale der Schauspieler und Tänzer, der Sprecher und Musiker, der Regisseure, Bühnenbildner, Techniker und Transportarbeiter.

Zu den großen Ereignissen des Schuljahrs gehört – weit mehr noch als der Schulball – die feierliche Verabschiedung der Abiturientia, ein Finale besonderer Art nach einem neunjährigen Schauspiel auf den Bühnen des Unterrichts, des Ganztags und des Schullebens.
Und hätten wir am Ende der Entlassungsfeier 2010 alle Mitwirkenden dieses 9jährigen Schauspiels auf die Bühne gebeten, Sie alle, die heute hier versammelt sind, wären dabei gewesen!
Denn Sie alle haben unsere Schülerinnen und Schüler sehr unterstützt.

Ein solches Finale würde sicherlich angeführt von unseren beiden größten Unterstützern: von Stadt Braunschweig und Land Niedersachsen.
Der Schulträger stellt die gesamte Ausstattung bereit und hält sie auf zeitgemäßem Stand. Dass damit effektives Arbeiten möglich ist, zeigen die mehr als erfreulichen Ergebnisse unserer Abiturprüfungen. In einem Finale müssten sicherlich etliche Repräsentanten von Rat und Verwaltung auftreten, nicht zuletzt Vertreter des Fachbereichs Schule und Sport, von dem wir uns von je her in besonderer Weise getragen sehen.
Das Land Niedersachsen wäre im Finale natürlich ebenso gut repräsentiert, trägt das Land doch Sorge für die qualifizierte Erteilung des Unterrichts. Dankbar sind wir insbesondere dafür, dass die Landesschulbehörde Braunschweig stets zügige, praxisgemäße und im Dialog entwickelte Entscheidungen trifft. Neben einer Repräsentanz insbesondere des Gymnasialdezernats müsste aber auch ein Mitglied des schulpsychologischen Dienstes auftreten, dem für die Unterstützung unserer Schülerinnen und Schüler in schwierigen persönlichen Situationen zu danken ist.

In unserem Finale sehen wir nun Personen die Bühne betreten, die im Verlauf eines Schuljahrs direkt wahrnehmbar werden; das sind unsere Kooperationspartner. Und nun wird die Bühne richtig voll:
In der Schar der Finalisten erkennen wir die Mitarbeiter der beiden Kirchen, die Schulpastorin, den Pastoralreferenten, den Pfarrer von St. Magni, den Kantor von St. Aegidien und auch – aber gottlob nur einmal bisher – den Notfallseelsorger der Ev. Landeskirche.
Wir erkennen die Professoren der Technischen Universität Braunschweig, die unentgeltlich mit unseren besonders begabten Schülerinnen und Schülern arbeiten und die unsere Oberstufe betreuen, wenn sie bereits vor dem Abitur den Hörsaal besuchen.
Wir sehen die Professoren der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, die ausgewählte Projekte an unserer Schule anbieten.
Zu den Ausbildern eines jeden Jahrgangs gehören auch die Mitarbeiter des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt am Forschungsflughafen Braunschweig, zu dessen School-Lab wir in besonderer Beziehung stehen, da unsere Lehrkräfte es mit entwickelt haben.
Zu den Ausbildern unserer Schülerinnen und Schüler gehören die Städt. Musikschule, die Städt. Bibliothek, die Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel, das Museum für Photographie Braunschweig, das Regionale Umweltzentrum Dowesee, der Wettbewerb „Jugend forscht“, phaeno Wolfsburg sowie eine Riege sportlicher Institutionen wie BTSC, BTHC, Welfen SC, Braunschweiger Kanu Club und Eintracht Braunschweig Wintersport, um nur die größten Kooperationspartner zu nennen.

Eine jede Abiturientia käme aus dem Staunen nicht mehr heraus, sähe sie genauer, welch enorme Unterstützung sie erfährt – Unterstützung weit über das hinaus, was man zu hoffen wagt.
Denn noch längst wären nicht alle versammelt, die einem Jahrgang zum Abitur verholfen haben:
Was wäre unsere Schule ohne die Partnerschulen im Verbund der Hochbegabungsförderung?
Was wäre sie ohne die Mitwirkung der Austauschschulen in Griechenland, Frankreich und Polen und ohne unsere Kooperationspartner in Canada, Israel und den USA?
Was wäre sie ohne die Helfer, die mit uns zusammen neue Kontakte entwickeln, etwa nach Spanien und China?

Aber auch: Was wäre sie ohne den Diskurs mit dem Studienseminar über Formen und Standards guten Unterrichts und ohne Teilhabe an der Arbeit von Fachseminar und des Päd. Seminar?
Was wäre sie ohne die Zusammenarbeit mit dem Institut für Pädagogische Psychologie der TU Braunschweig, in der sich TU und WG gemeinsam um Schulqualität bemühen?

Wenn einige verwegene WG-Schüler sich in den Kopf setzen, die beste Schülerfirma Europas auf die Beine zu stellen, finden sie bei den großen Braunschweiger Firmen freundliche Förderer.
Wenn der Schulsanitätsdienst des Wilhelm-Gymnasiums wieder einmal alle Pflaster verklebt hat, verhilft ihnen ein am Ort befindlicher Großhändler zu neuen Ressourcen.
Wenn Bücher gebraucht werden, die den Etat überschreiten, schafft eine Braunschweiger Buchhandlung Abhilfe, ohne Rechnungen beizulegen.
Suchen Schüler bestimmte Handwerkszeuge und Räume, um ihr „Jugend-forscht“-Projekt voranzutreiben, öffnen Firmen der Region ihnen Tür und Tor.
Und stehen einmal große Posten auf dem Wunschzettel, nehmen sich Stiftungen der Angelegenheit an.

Natürlich geht es nicht immer nur um Geld. Ebenso wichtig sind persönliche Beratung, kritischer Austausch, Ermutigung und Anerkennung. Viele Förderer unterstützen unsere Schülerinnen und Schüler. Aus besonderer Unterstützung werden besondere Ergebnisse und besondere Erfahrungen.

Malen wir das Bild der Schulzeit als Spiel und Aufführung und das Bild des Finales noch etwas weiter aus:

Natürlich sind die Eltern zu nennen, die sich Jahr um Jahr in Ehrenämtern engagieren, im Schulelternrat, im Schulvorstand, im Förderverein. Das Besondere unserer WG-Elternschaft im Ehrenamt besteht darin, dass sie Schulqualität nicht nur fordert, sondern – durch eigene Leistung – selber mit herstellt und dabei z. T. ganz neue Wege geht; manche dieser Projekte, wie etwa das Hochbegabten-Elternnetzwerk, dürften in Niedersachsen einzigartig sein.
Viele Eltern haben uns aber auch außerhalb der verfassten Elternschaft sehr unterstützt. Ihre uneigennützige und treue Mithilfe hat manchem Schulprojekt gut getan und war den Schülerinnen und Schülern eine große Hilfe.

Die Schülerschaft eifert diesem Vorbild nach: Eine solidarische SV, unser Schülerrat, gestaltet die Schule mit. Eine große Zahl sehr kompetenter und sehr verantwortungsbewusster Schülerinnen und Schüler übernimmt Dienste für die gesamte Schule und engagiert sich in wichtigen Projekten. Sogar an der Neugestaltung dieser Aula waren Schüler als Experten beteiligt!

Und schließlich: Das Ganztagsangebot des Wilhelm-Gymnasiums wäre nicht zu einer farbigen Palette von 50 AGs aufgeblüht, würde nicht ein gehöriger Teil der Arbeit von Partnern übernommen, die kreativ, idealistisch und selbstlos im Ganztag arbeiten. Immer wieder staunen wir darüber, welche Begeisterung, welche Ausdauer und welche Leistungsfähigkeit Sie in unseren Schülerinnen und Schülern wecken!

Und sollten wir einmal gar nicht weiterwissen, gibt es immer noch den Förderverein und den Ehemaligenverein.
Glücklicherweise wird die Schule wird von einem Förderverein begleitet, der sich großherzig der Anliegen der Schule annimmt.
Und glücklicherweise gibt es den Verein der ehemaligen Schülerinnen und Schüler des Wilhelm-Gymnasiums, der auch vor ungewöhnlichen Projekten nicht zurückschreckt. Die Ehemaligen treten nicht zuletzt für Aufgaben ein, die in einem größeren Zeithorizont stehen – und die deshalb manchmal auch besonders teuer sind.

Apropos „teuer“: „Das wäre aber doch wirklich nicht nötig gewesen…“, sagt man, wenn der Gratulant ein doch recht teures Geburtstagsgeschenk überreicht.
Bei uns ist das heute anders: „Es ist auch wirklich nötig gewesen“ sagen wir und fügen rasch hinzu: „Aber niemals, niemals haben wir zu hoffen gewagt, dass wir es wirklich einmal bekommen!“
Ich meine:
das Geschenk eines neuen Flügels
und das Geschenk einer von Grund auf erneuerten Orgel.

Der alte Flügel ist so viel gespielt worden, dass seine Reparatur nicht mehr lohnt.
Den neuen Konzertflügel finanzieren Stadt Braunschweig, Städt. Musikschule, Hans-und-Helga-Eckensberger-Stiftung und Förderverein des Wilhelm-Gymnasiums (zu unterschiedlichen Anteilen) gemeinsam.

Und die Orgel? Ein hoffnungsloser Fall? Ein Fass ohne Boden?
Nein, ein Fall für den Ehemaligen-Verein!
Die vollständige Erneuerung der Orgel durch Herrn Orgelbaumeister Florian Fay aus Braunschweig verantwortet der Ehemaligen-Verein!
Und nicht nur das: Auch der Empfang, der im Remter vorbereitet wird,
geht auf seine Rechnung.

Lassen Sie mich schließen mit einem herzlichen Dank
für die vielfältige Unterstützung unserer Schülerinnen und Schüler,
lassen Sie mich schließen mit einem herzlichen Dank
für diese wahrlich besonderen Geburtstagsgeschenke!

Unsere Flötistinnen waren Stella Hellmigk, Lara Weise und Viktoria von Pidoll.
Für eine erste Kostprobe des Flügels hat die Städt. Musikschule Nils Gehrke und Jan Niklas Reinhardt benannt.
An der Orgel und unten im Remter am Klavier hören wir Henrike Moormann und Caroline Moormann.

Ich danke Ihnen.

Gerhard Thamm van Balen

 

Rede der Elternvertreterin Frau Campe

Bilder

 

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