Zum Gedenken an Herrn Oberstudiendirektor i. R. Dr. Dietrich Mack


Dr. Dietrich Mack, Leiter des Wilhelm-Gymnasiums 1959 bis 1978




Am 11.08.2001 verstarb im Alter von 88 Jahren in Braunschweig der Mitbegründer des Niedersächsischen Altphilologenverbandes, der frühere langjährige Leiter des altsprachlichen Wilhelm-Gymnasiums in Braunschweig und verdienstvolle Forscher der Geschichte seiner Heimatstadt, Oberstudiendirektor i. R. Dr. Dietrich Mack. In Erinnerung an seine Lehrerpersönlichkeit, die ihnen, erfüllt vom Wert des geistigen Erbes der Antike, in einem lebendigen und anschaulichen, durch hohe fachliche Kompetenz gekennzeichneten Unterricht die alten Sprachen vermittelt hat, eine Lehrerpersönlichkeit, die sie in echter Zuwendungsbereitschaft und dem Willen zur Förderung erlebten, haben Generationen von ehemaligen Schülerinnen und Schülern in stillem Gedenken von ihm Abschied genommen. Zahlreiche ehemalige Schulelternräte haben eines Schulleiters gedacht, mit dem sie im Interesse der jungen Menschen eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet haben. Viele Lehrer gedenken ihres früheren Direktors, der ihnen nicht nur außergewöhnliche pädagogische Einsatzbereitschaft, vorbildliche berufliche Pflichterfüllung und ein großes Verantwortungsbewusstsein abverlangt, sondern vorgelebt hat. Christlich geprägte Wertvorstellungen bildeten das Fundament seiner ethischen Orientierung.

Dr. Mack wurde am 19.02.1913 in Braunschweig als Sohn des Stadtarchiv- und Bibliotheksdirektors Professor Dr. Heinrich Mack geboren. Nach Ablegung des Abiturs am Wilhelm-Gymnasium studierte er Alte Sprachen, Geschichte und Philosophie in Heidelberg und Kiel, promovierte in Kiel mit Auszeichnung mit einer Dissertation über „Senatsreden und Volksreden bei Cicero“. Nach dem ebenfalls mit Auszeichnung 1936 bestandenen Staatsexamen war er Referendar am Wilhelm-Gymnasium und als Studienassessor für kurze Zeit an den Gymnasien Raabeschule und Kleine Burg in Braunschweig tätig, ehe er 1938 zum Wehrdienst einberufen wurde. Er wurde im Krieg Frontoffizier und wurde dreimal verwundet. Eine 1944 an der Universität Straßburg in Aussicht genommene wissenschaftliche Laufbahn zerschlug sich aufgrund der Kriegsereignisse. Nach dem Kriege konnte er 1947 seine Unterrichtstätigkeiten an der Raabeschule in Braunschweig wieder aufnehmen. Erfüllt vom Willen, am Wiederaufbau des gymnasialen Bildungswesens mitzuwirken, engagierte er sich im Philologenverband und besonders bei der Förderung des altsprachlichen Unterrichts. Er betätigte sich als Organisator der Fortbildung der altsprachlichen Lehrer im Verwaltungsbezirk Braunschweig, gab in Form von Vorträgen, Herausgabe von altsprachlichen Texten und als einer der Schriftleiter der „Mitteilungen“ selbst zahlreiche Anregungen für den Unterricht. Er war 1951 Mitbegründer und von 1951 bis 1954 Mitglied des Vorsitzendentriumvirats des Niedersächsischen Altphilologenverbandes, der seine Verdienste später durch seine Ernennung zum Ehrenmitglied würdigte. Sein Engagement im Internationalen Sonnenbergkreis dokumentierte seinen Wunsch, einen Beitrag zur europäischen Völkerverständigung zu leisten. 1952 wurde Dr. Mack Leiter des Gymnasiums Johanneum in Lüneburg, von wo er 1959 als Oberstudiendirektor zum Wilhelm-Gymnasium in Braunschweig wechselte. Hier führte er 1964 die Koedukation ein, richtete den mathematisch-natur- wissenschaftlichen Zweig ein und baute den Schüleraustausch mit Schulen in Dänemark, den Niederlanden und USA aus. Mit Blick für die Erfordernisse der Gegenwart sorgte er nicht nur für die bauliche Verbesserung der Schule (neue Turnhalle, naturwissenschaftlicher Anbau, Generalsanierung des Hauptgebäudes), sondern setzte sich in der Zeit der Reformen des Gymnasiums positiv mit diesen auseinander. Er sah in ihnen Herausforderungen, in denen es galt, die Identität des Gymnasiums und seine Leistungsfähigkeit zu bewahren.

Die Erhaltung von Latein als 1. Pflichtfremdsprache nach Einführung der Orientierungsstufe galt sein besonderer Einsatz. Nach seiner Pensionierung 1978 stellte sich Dr. Mack noch für einige Jahre für den Lateinunterricht an der Christophorus-Schule zur Verfügung.

Gleichzeitig nahm er die 1947 begonnene genealogische Erforschung seiner HeimatstadtBraunschweig wieder auf. Am herausragendsten unter seinen 30 Veröffentlichungen sind „Die Bilderzyklen der Bürgergeschlechter in der Brüdernkirche“, „Die Patrizierhäuser in Braunschweigs Görderlinger Straße und ihre Inschriften“, drei Bände „Testamente der Stadt Braunschweig (1314 – 1411)“, „Braunschweiger Bürgergeschlechter im 16. und 17. Jahrhundert“, „Die Inschriften der Stadt Braunschweig bis 1528“. Für seine Verdienste um die genealogische Erforschung seiner Heimatstadt wurde ihm 1992 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Die Stadt Braunschweig ehrte ihn 1998 mit der Braunschweiger Bürgermedaille. Mit Dietrich Mack hat Braunschweig einen Mann verloren, dessen Bürgersinn in der verpflichtenden und tätigen Hingabe an seine Heimatstadt seinen Ausdruck fand.

Kurt Selle, OStD i.R., Wolfenbüttel