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14 Arten, einen Becher Wasser auszutrinken

Der Seminarfachkurs „Performativität“ im Jg. 11 absolvierte einen Performance-Workshop.

01.10.2017: Es begann harmlos: auf dem Boden liegen, atmen, loslassen. Übungen zur progressiven Muskelentspannung. Erstmal ankommen. Doch dabei blieb es nicht. Performance heißt: den Körper als Material wahrnehmen, einsetzen, an Grenzen bringen. Weil wir meist umweltblind und -taub durch die Gegend laufen, war dann Gehen angesagt. Anfangs kreuz und quer durch den Raum, dann mit geschlossenen Augen, dann rückwärts mit geschlossenen Augen. Unsicherheit dabei, natürlich. Anstoßen aber seltener als gedacht. Das Sensorium wird feiner. Härter danach die Konfrontationsübungen: Zwei Schüler laufen aufeinander zu und aufeinander auf, ungebremst und ohne Rücksicht auf Verluste, möglichst. Da war zu spüren: lieber abbremsen, sich nicht wehtun, dem anderen nicht schaden. Einige kosteten den Aufprall aus. Performance heißt auch: aushalten. Deshalb gab es Halteübungen. Einer/eine trägt und hält den anderen/die andere. Fünf Minuten stehen, nicht sprechen, nicht bewegen. Sieht harmlos ist, ist furchtbar anstrengend, besonders wenn man auf die Idee kommt, sich auf den anderen zu setzen. Dann noch die Näheübung: einander in den Arm nehmen. Wieder fünf Minuten. Und die Nähe aushalten. Seltsam überdehnt wird das Alltägliche. Den Gesichtern sieht man an, dass so viel Nähe unangenehm sein kann. Und dann zum Abschluss noch ein Posing, Anti-TV-Show-Event. Jeder bekam einen Becher Wasser und durfte seinen Auftritt zelebrieren. Eine trinkt ohne große Show, normales Tempo. Der nächste kippt auf ex. Wieder eine kippt ihr Wasser aus dem Fenster. Wieder einer gießt sich das Wasser über den Kopf. Herr Huber bequemt sich zum Mitmachen und quält damit, dass er unendlich langsam trinkt. Hingehen, Becher nehmen, trinken, abgehn. Vierzehnmal dasselbe und doch anders. Performance lässt den Alltag anders sehen.

Ein erster Erfahrungsansatz für die Schülerinnen und Schüler, die für ihre Facharbeit eine eigene Performance entwickeln sollen. Die Kursleiterin Franca Özkan vom Theaterpädagogischen Zentrum bekam am Ende viel Applaus.

Dr. A. Huber

 

 

    Fotos: Dr. A. Huber

 

 

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