2.27 Das „Curriculum Mobilität“ am WG

1. Vorbemerkung

Mit diesen Worten wurde das Thema „Mobilität“ 2002 in nds. Schulen ins Blickfeld gerückt:

„Mit Erlass vom 03.09.2002 wurde in Niedersachsen der Lernbereich „Mobilität“ in allgemein bildenden und berufsbildenden Schulen eingeführt […]. Im Mittelpunkt der Bezugsfelder „Verkehr“ und „Umwelt“ steht der Mensch. Mobilität definiert sich nicht allein über das Verkehrsmittel „Auto“ und befriedigt auch nicht die individuellen Bedürfnisse einer motorisierten Verkehrsteilnahme. Es geht um verantwortliches Denken und Handeln unter dem Leitbild der „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ (Agenda 21), um Fragen, wie die Mobilität erhalten werden kann, ohne das Leben nachfolgender Generationen zu gefährden. Das Phänomen „Verkehr“ steht mit seinen vielfältigen Vernetzungen für ein komplexes Thema, das gesellschaftlich und global in einem größeren Zusammenhang gesehen werden muss. […]. Dieser Lernbereich beinhaltet fächerübergreifendes Lehren und Lernen, vernetztes und integratives Denken und entwickelt Fähigkeiten zu einer sicherheits-, sozial- und umwelt- (gesundheits-)bewussten Teilnahme am Mobilitätsgeschehen. In seiner Kontinuität und Vernetzung zu anderen Fächern ist es als durchgängiges Spiralcurriculum, vom Primarbereich bis zum Sekundarbereich II, zu verstehen“ .

(aus dem Erlass vom 03.09.2002 (aktualisiert 2016) in allgemein bildenden und berufsbildenden Schulen)

2. Beschlossene Konzepte des Lernbereichs Mobilität

2.1 Konzept Mobilitätstag Sek I: „Sicher und mobil zur neuen Schule“

Den Forderungen des „Curriculum Mobilität“ trägt das Wilhelm-Gymnasium Rechnung durch eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Thema Mobilität. Dabei steht im Mittelpunkt ein schwerpunktmäßiges und auf bestimme Personengruppen bzw. Risikogruppen ausgelegtes Konzept, das sich im jährliche Rhythmus wiederholt und in seiner Planung nicht starr ist, sondern regelmäßig modifiziert und den aktuellen Problemen bzw. Gegebenheiten angepasst wird.

Zielgruppe: Jahrgang 5
Ort: Schulhof, Klassenraum (WG-Außenstelle)
Zeit: nach den Sommerferien und vor den Herbstferien, jeweils 2-3 Schulstunden, für jeweils 2 Klassen; im jährlich wiederkehrenden Rhythmus für jeden 5. Jahrgang
Methode: Stationenlernen
Mögliche Partner: Polizei, ADAC, ADFC, Schulsanitätsdienst, Fachgruppe Physik, Fachgruppe Sport u.a.
Ziel: Sensibilisierung der Schülerinnen und Schüler für ihren neuen – nach dem Wechseln von Grundschule zum Gymnasium – und in vielen Fällen längeren Schulweg, da die Unfallzahlen gerade bei dieser Gruppe von SUS steigen
Ablauf:
Mögliche Stationen:

  1. Darstellung des toten Winkels mit einem Lkw (Fachgruppe Physik)
  2. Ausprobieren des eigenen Bremswegs/Anhaltewegs bzw. der Reaktion mit eig. Fahrrad und dem Geschwindigkeitsdisplay -Schulhof (Polizei).
  3. Radparcours in Kleinformat (ADAC und/ oder Fachgruppe Sport)
  4. Fahrradkontrolle/Fahrradwerkstatt (Fahrrad-AG)
  5. Darstellung einer Unfallstelle mit Abfrage des Verhaltens am Unfallort, im Gebäude möglich (Polizei)
  6. Unterricht in Sachen Fahrradhelm/Fahrradunfall/besonderen Radverkehrssituationen in Braunschweig, mit Filmen  (Polizei)

2.2 Konzept Mobilitätstag Sek II: „Junge Fahrer/innen“

Zielgruppe:  Jahrgang 11
Ort: Schulhof, Klassenraum (WG-Hauptgebäude)
Zeit: nach den Abiturprüfungen und vor den Sommerferien; je Station ca. 45 Minuten (Schulstunde); im jährlich wiederkehrenden Rhythmus für jeden 11. Jahrgang
Methode: Stationenlernen
Mögliche Partner: Polizei, Verkehrswacht, Schulsanitätsdienst, Mobilitätsbeauftragter, diverse Fachgruppen der Schule
Ziel: Sensibilisierung der Schülerinnen und Schüler des 11. Jahrgangs für die Gefahren im Straßenverkehr als aktiver Teilnehmer, da die Gruppe der junge Fahranfänger besonders gefährdet ist
Ablauf:
Mögliche Stationen:

  1. „Rettungssimulator“  (Verkehrswacht)
  2. Rauschbrillenparcours (Polizei, Verkehrswacht)
  3. theoretischer Unterricht in Bezug auf Alkohol/Drogen/Junge Fahrer (Polizei)
  4. Erstversorgung am Unfallort (Schulsanitätsdienst)
  5. Geschwindigkeitsdisplay (Mobilitätsbeauftragter)

SchV-Beschluss v. 15.10.2015
GK-Beschluss v. 25.02.2016

aktuell Verantwortliche: Frau Hühnlein, Beauftragte für Mobilität und Verkehrserziehung

3. Evaluation und Weiterentwicklung des Konzepts Mobilität (Stand 10/2026)

Seit der Verabschiedung des Mobilitätskonzeptes in den Gremien der Schule wurden zahlreiche präventive Veranstaltungen, die dem Gedanken des Konzepts entsprechen, durchgeführt und zur Auseinandersetzung mit Zukunftsfragen der Mobilität herausgefordert.

Konkrete Aktionen des Lernbereichs „Mobilität”

Ergänzt wird die unterrichtliche Erarbeitung von Themen des Themenfeldes „Mobilität“ in den Fächern Erdkunde, Politik/Wirtschaft, Geschichte und z.T. auch Rc bzw. WN um mehrere inzwischen auf der Grundlage der beschlossenen Konzepte etablierte Veranstaltungen, die jährlich stattfinden und gezielt an Umbruchsituationen des Lebens platziert sind: Ein Angebot für die jungen Schüler:innen, die sich an den neuen Schulweg und zunehmende Sicherheit im Straßenverkehr gewöhnen sollen, ein zweites Angebot für die Altersstufe, die möglicherweise bald den Führerschein macht und das Thema „Mobilität“ tiefgründiger reflektiert.

3.1 Mobilitätstag(e) Jg. 5/6

Regelmäßig wurden auf dem Mobilitätstag des Jahrgangs 5 von der Polizei und auch mehrfach von dem renommierten Neurochirurgen Prof. Dr. Peter Sollmann den statistisch stark gefährdeten Kindern dieses Alters Informationen und Hilfestellungen im Sinne des beschlossenen Konzepts an die Hand gegeben, die Unfälle zu vermeiden suchen. Die geäußerte Resonanz gerade von Eltern, aber auch von Schüler:innen war stets sehr positiv.
Das seit 2021 durchgehend umgesetzte Projekt „Toter Winkel“ basiert auf dem beschlossenen Konzept, nimmt aber nun durch die Nutzung eines echten LKWs, in den die Kinder sich setzen dürfen und erleben, wie wenig sie sehen, die lernpsychologischen Realitäten noch genauer in den Blick, dass Erlebtes und Erfahrenes zu einer tieferen und auch praktisch nutzbareren Verinnerlichung führt. Dieses Projekt wurde manchmal im Jg. 6, manchmal im Jg. 5 umgesetzt, aber stets so, dass jeder Jahrgang des Wilhelm-Gymnasiums sich einmal mit dem Thema befasst hat.

Seit 2021 ist also konkret etabliert:

Jg. 5/6: Mobilitätstag(e)

mindestens mit Elementen aus diesen Themenfeldern:
— „Sicher unterwegs in BS, auch an gefährlichen Kreuzungen“
— „Der Helm ist wichtig!“
— „Verhalten an einer Unfallstelle“
— Projekt „Toter Winkel“ (z. T. im Jg. 6)

Mitunter wird der Mobilitätstag Jg. 5 ergänzt um einen Rad-Check durch die RepairAG.

3.2 Mobilitätstag Jg. 11

Der anfangs ausschließlich als Präventionseinheit gemeinsam mit der Polizei durchgeführte Mobilitätstag des Jg. 11 nahm das Thema „Junge Fahranfänger“ in den Blick. Dabei wurde in einer sehr praxisnahen Einheit für mögliche Gefahren im Straßenverkehr sensibilisiert, da dieses Alter ebenfalls als besonders unfallgefährdet gilt.
Im Sinne des früher formulierten Zieles des Lernbereiches „Mobilität“ am WG eine „weiterfassende Ausarbeitung des Mobilitätsbegriff in den Fokus“ zu nehmen, wurden seit 2021 besonders im Jg. 11 verschiedene Elemente zu dem beschlossenen Konzept ergänzt, die trefflich mit dem aktuellen nds. „Curriculum Mobilität“ harmonieren.

Seit 2021 ist also konkret etabliert:

Jg.: 11: „Gefahren und Zukunftsperspektiven der Mobilität“

Dieser Mobilitätstag nimmt die Jugendlichen in den Blick, die einerseits gerade auf dem Weg zum Führerschein sind und die andererseits im Blick auf ihre Zukunft zunehmend ökologische Aspekte der Mobilität bedenken.

Deswegen werden in Zusammenarbeit mit der Polizei in einem ersten Part die Gefahren des Straßenverkehrs mit Auto und E-Scootern thematisiert.
Im zweiten Block werden in über die Jahre wechselnder Form zukunftsorientierte Ideen der Mobilität in den Blick genommen.

Durch eine verstärkte Vernetzung in der Region wurden weitere Partner für das Thema „Mobilität“ gewonnen, so dass der Mobilitätstag in Jg. 11 inzwischen um den Aspekt „Zukunftsperspektiven der Mobilität“ erweitert wurde. So kam es dank einer mehrjährigen Zusammenarbeit mit der Ostfalia zum Engagement verschiedener Dozenten der Ostfalia sowie einzelner der TU Braunschweig.
Außerdem wurde neben der bewährten Arbeit mit der Polizei eine Zusammenarbeit mit mehreren Firmen und Vereinen, die im Themenfeld „Mobilität“ arbeiten, etabliert, dazu gehören z. B.
— Siemens Mobility mit ihrem weltweit größten Thinktank für Bahnautomatisierung und digitalisierten Schienenverkehr
— Alstom mit ihrer deutschlandweit bewährten Sicherheitstechnik im Zugverkehr und dem weltweit ersten Wasserstoffzug „Coradia iLint“
— ERC-Rail mit ihrem Zug-Simulator, der ein Mittel ist bei der Sicherheitsbewertung und dem Risikomanagement bei der Zulassung und Nutzung von Zügen.
— Sanitätshaus Müllenheim, das kostenlos Rollstühle und Rollatoren zur Verfügung stellt für Erfahrungen im Unterthema „Menschen mit Behinderung im öffentlichen Raum der Stadt“.
— Die Firmen Bauking und XXL-Logistik, die zeitweise die LKWs für das Projekt „Toter Winkel“ kostenlos und unkompliziert zur Verfügung stellten.
— Der Blinden- und Seh­behinderten­verband Niedersachsen e. V., der Blindenstöcke und andere Materialien zur Verfügung stellt für Erfahrungen im Unterthema „Menschen mit Behinderung im öffentlichen Raum der Stadt“.

Die Polizei wies in den letzten Jahren zunehmend auf das unfallträchtige Thema „E-Scooter“ hin, so dass auch das inzwischen in beiden Mobilitätstagen zur Sprache kommt.

3.3. Herbstbrief

Eine andere Umsetzung des beschlossenen Konzepts zeigt sich im „Herbstbrief“: Mindestens für die unteren Jahrgangsstufen gibt es im Herbst einen Erinnerungsbrief an die Elternschaft, der darauf hinweist, was für die dunkle Jahreszeit am Fahrrad und der Kleidung der Schüler:innen bedacht und überprüft werden sollte.

Ausblick:

Ziel ist es weiterhin in Jg. 5 und ggf. Jg. 6 die Prävention von Unfällen und deren Folgen in den Mittelpunkt der Mobilitätsaktionen zu stellen, im Jg. 11 gilt es vor Gefahren des Straßenverkehrs zu warnen, aber auch den Horizont zu weiten für eine zukunftsfähige Mobilität, die in besonderem Maße in der Region Braunschweig in zahlreichen Firmen angedacht und in Angriff genommen wird. Davon sollen die Schüler:innen auch künftig profitieren.

Silke Hühnlein, StR’
22.10.2026